Forderungen!

Was können wir für ein ausreichendes Lehrstellenangebot tun?

Die ÖGJ schlägt folgende Maßnahmen vor:

  • Aufstockung der Ausbildungsplätze im staatlichen und staatsnahen Bereich
  • Schaffung eines Corona-Notausbildungsfonds (Modell der „ÖGJ Fachkräftemilliarde“)
  • Modernisierungs- und Digitalisierungsoffensive an den Berufsschulen (Digitalisierungs-Check für Berufsschulen und Internate sowie Lehrpersonal und Ausbildner*innen, Vermittlung digitaler Kompetenzen [auch englische Sprache], passende technische Ausstattung und auch bauliche Maßnahmen)
  • Appell an die größten Ausbilderbetriebe (Lehrbetriebe) Österreichs, mehr Lehrlinge aufzunehmen und über Bedarf auszubilden
  • Reform des Bestbieterprinzips für staatliche Ausschreibungen mit stärkerem Augenmerk auf das Ausbilden von Lehrlingen (Ausschreibungen noch besser bewerten)
  • Finanzierung der ÜBA (im Speziellen der ÜBA 1) nach notwendigem Ausmaß -> Erhöhung der Finanzmittel für die überbetriebliche Lehrausbildung und Aufstockung der überbetrieblichen Lehrstellen

Corona-Notausbildungsfonds (Modell der „ÖGJ Fachkräftemilliarde“)

Ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Ausbildungskatastrophe 2020 wird die Unterstützung der Betriebe sein. Derzeit werden jährlich rund 140 Millionen Euro mittels Gießkannenprinzips an Lehrbetriebe ausgeschüttet. Finanziert wird dies über den Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF). Da dieser Fonds eigentlich zur Sicherung von Löhnen und Gehältern insolventer Betriebe verwendet wird, ist davon auszugehen, dass es hier im Zuge der COVID-19-Krise zu einem erhöhten Bedarf kommen wird. Um diese Ausbildungskatastrophe verhindern zu können, werden vermehrt kleine und mittlere Unternehmen eine finanzielle Unterstützung bei der Ausbildung von Lehrlingen benötigen. Deshalb soll die sogenannte „Basisförderung“ im Jahr 2020 mit 140 Millionen Euro aus dem IEF und mit weiteren 140 Millionen Euro aus dem Budget der Bundesregierung aufgestockt werden.

Der Spruch der Regierung „Koste es, was es wolle“ muss auch für die österreichischen Lehrlinge und somit auch für die Fachkräfte der Zukunft gelten.

Um eine qualitätsorientierte Lehrlingsausbildung auch in Zukunft garantieren zu können, muss hierfür ein eigener Ausbildungsfonds geschaffen werden. Dieser soll im Jahr 2020 mit den 140 Millionen Euro aus dem IEF und den 140 Millionen aus dem Budget des Bundes befüllt werden. In den darauffolgenden Jahren soll dieser durch die Betriebe selbst finanziert werden. Das würde bedeuten, dass jeder Betrieb ein Prozent seiner Bruttolohnsumme in diesen Fonds legt. Ausbildungsbetriebe, welche mit hohen Qualitätsstandards ausbilden, sollen die Profiteure sein. Dieser soll aber nicht nur die betriebliche Lehre unterstützen, sondern auch die finanzielle Basis der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung sein.
Die Förderung der betrieblichen Ausbildung soll auch an Qualitätsstandards gebunden sein.

Hier gibt es einige Instrumente, um diese Qualität sicherstellen zu können:

  • Bessere Abstimmung zwischen Berufsschule und Lehrbetrieb
  • Weiterbildungen für Lehrlingsausbildner*innen
  • Förderung von externen Lehrinhalten
  • Ergebnisse der Lehrabschlussprüfungen
  • Einhaltung von arbeitsrechtlichen Vorschriften
  • Keine ausbildungsfremden Tätigkeiten

Aufstockung der Ausbildungsplätze im öffentlichen Dienst

Alle, die die Lehrausbildung ernst nehmen, bilden Fachkräfte für morgen aus, welche dringend benötigt werden. Der öffentliche Bereich muss hier seiner Vorbildfunktion gerecht werden. Leider nehmen nicht alle Länder und Gemeinden diese Verantwortung entsprechend war.
Gerade in der aktuellen Krise müssen der Bund, die Länder und die Gemeinden in die Pflicht genommen werden und Lehrlinge über den Bedarf ausbilden. Viele Unternehmen gehen gerade zugrunde, und Facharbeiter*innen werden mehr denn je gebraucht. Genau aus diesem Grund müssen der Bund, die Länder und Gemeinden ihre Pflicht erfüllen und eingreifen. Die Unternehmen, die durch den Bund, die Länder und Gemeinden finanziert oder teilfinanziert werden, müssen vermehrt zur Lehrlingsausbildung herangezogen werden und überbedarfsorientiert ausbilden. Denn wenn diese Krise vorbei ist, brauchen wir sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor umso dringender Fachkräfte, die unsere Wirtschaft voranbringen.

Es kommt immer wieder vor, dass der Bund, die Länder und Gemeinden kein Geld für die Lehrausbildung budgetieren oder in gewissen Bereichen einsparen. Gemessen an der Bevölkerungszahl der einzelnen Bundesländer gibt es sehr große Schwankungen. Viele im öffentlichen Bereich bilden leider gar keine Lehrlinge aus. Hier sind wir als Gewerkschaft gefordert, politischen Druck zu machen und auf die Wichtigkeit der Lehrausbildung hinzuweisen. Nur wenn der Bund, die Länder und Gemeinden Lehrlinge ausbilden, nehmen sie die Anliegen junger Menschen auch ernst.

ABC Arbeitslosigkeit

Arbeitslos sind Personen, die beim AMS als arbeitslos gemeldet sind. Meldet sich eine Person nicht beim AMS als arbeitslos, so wird diese auch nicht gezählt.

Jugendarbeitslosigkeit: In der Statistik werden Personen zwischen 15 bis 25 Jahren, die beim AMS gemeldet sind, berücksichtigt.

Lehrstellenlücke: Beschreibt die Differenz zwischen angebotenen Lehrstellen und Personen, die eine Lehrstelle suchen. Ist die Zahl negativ, gibt es mehr Lehrstellensuchende als offene Lehrstellen. Ist die Zahl positiv, gibt es mehr offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende.

Arbeitslosengeld: Die Höhe des Arbeitslosengeldes beträgt durchschnittlich 55 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Dies ist im Vergleich mit anderen Staaten sehr niedrig, so bekommen zum Beispiel Arbeitslose in Belgien 90 Prozent ihres letzten Einkommens, im EU-Schnitt sind es um die 70 Prozent. Als ÖGB fordern wir die Anhebung des Arbeitslosengeldes auf mindestens 70 Prozent. Damit Arbeitslosengeld ausbezahlt wird, müssen Personen unter 25 Jahren 26 Wochen Arbeit im letzten Jahr mit einem Einkommen höher als die Geringfügigkeitsgrenze (2020 liegt die Geringfügigkeitsgrenze bei 460,66 Euro monatlich) aufweisen.

Arbeitslosenversicherung: Der Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung beträgt für den Arbeitgeber 3 Prozent (bei Lehrverhältnissen: 1,2 Prozent), für den/die Arbeitnehmer*in ist der Beitrag je nach Einkommen gestaffelt. Werte seit Juli 2018:

  • bis 1.648 Euro: 0 Prozent,
  • über 1.648 Euro bis 1.798 Euro: 1 Prozent,
  • über 1.798 Euro bis 1.948 Euro: 2 Prozent.

NEETS: Not in Education, Employment or Training = Personen, welche sich weder in einer schulischen noch dualen Ausbildung oder in einem Arbeitsverhältnis befinden
ÜBA: Überbetriebliche Lehrausbildung = eine vom AMS finanzierte Ausbildungsmaßnahme, die sich in drei Teile gliedert. Die fachpraktische Ausbildung findet überwiegend beim Bildungsträger statt. Verpflichtende Praktika in Betrieben finden laufend während der Ausbildung statt und die fachtheoretische Ausbildung erfolgt in der Berufsschule.

Hier findest du die aktuellen Arbeitsmarktdaten und Informationen über den Arbeitsmarkt.
Alle Arbeitsmarktdaten ONLINE inklusive vorgefertigter Tabellen mit Monats- und Jahresdaten sind hier abrufbar.

Johann-Böhm-Platz 1
1020 Wien
%d Bloggern gefällt das: